Zukunftsstadt Ulm

Begleitforschung legt Abschlussbericht vor

| Autor: Manfred Klein

Mittelalterliche Kulisse und Zukunftsfähigkeit müssen sich nicht ausschließen
Mittelalterliche Kulisse und Zukunftsfähigkeit müssen sich nicht ausschließen (Bild: M. Schoenfeld_Fotolia.com)

Im Juni beschloss der Gemeinderat der Stadt Ulm einstimmig den Abschlussbericht der ersten Phase des Wettbewerbs Zukunftsstadt 2030. Zentraler Bestandteil des Berichts sind Vorschläge für Digitalisierungsprojekte, die nun geplant werden können.

Das TOGI (The Open Government Institute) der Zeppelin Universität erstellte nicht nur den Abschlussbericht, sondern begleitet die Stadt und ihre Bürger auch auf dem weiteren Weg.

Die im Abschlussbericht gesammelten Vorschläge sind eine Zusammenfassung der zahlreichen Ideen, die von Ulmer Bürgern und Experten in der erste Phase des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung ausgerufenen Wettbewerbs zusammengetragen wurden. Sie bewegen sich in den Themenfeldern Gesundheit, Demografie und Alter; Mobilität, Energie und Vernetzung; Wirtschaft, Beschäftigung und Arbeit; Bildung, Forschung und Technologie; Gesellschaft, Verwaltung und Politik; Freizeit, Kultur und Soziales. Einige der Projektvorschläge werden bereits angegangen.

Ulm setzt Akzente zur Digitalisierung

So soll im Juli 2016 in Ulm ein Stadtlabor in der Innenstadt entstehen. Dieses soll als zentraler Ort der Zusammenarbeit in der Zukunftsstadt Ulm 2030 und als Schaufenster für Innovation dienen. Die Stadt Ulm möchte mit weiteren Reallaboren Räume zur Entwicklung und Erprobung von Prototypen schaffen. Gemeinsam mit der Universität Ulm und zahlreichen Unternehmen aus der Alb-Donau-Region soll zudem ein stadtweites Testgebiet zum vernetzten und autonomen Fahren eingerichtet werden.

Prof. Dr. Jörn von Lucke, bei der Zeppelin Universität für den Abschlussbericht wissenschaftlich verantwortlich, zum geglückten Abschluss: „Mich freut es, dass in sechs Workshops und über die ­Online-Plattform ‚Zukunftsstadt-Ulm.de‘ mehr als 400 Ideen von Bürgern und Experten zusammengetragen wurden. Es gibt wenige Städte in Deutschland, die der ­Digitalisierung dauerhaft einen so hohen Stellenwert geben, die sich einem Ausbau von Innovation, Wettbewerbsfähigkeit, Lebensqualität, Wachstum und Nachhaltigkeit verschreiben und daher digitale Innovationen in allen Bereichen fördern und fordern.“

Die Stadt Ulm setze damit starke Akzente in Richtung Digitalisierung und Bürgerbeteiligung. Andere Städte würden immer noch viel zu spät erkennen, wie wichtig eine frühzeitige Auseinandersetzung unter Einschluss der Bürgerschaft ist, um die anstehenden Veränderungen erfolgreich anzugehen und die digitale Transformation auch im eigenen Sinne gestalten zu können, so von Lucke.

Umfangreiche Palette an eingereichten Projekten

Bürger und Experten reichten in allen nur denkbaren Bereichen interessante Vorschläge ein. So wurde im Bereich Telemedizin vorgeschlagen, ergänzend zur vorhandenen medizinischen Versorgung mit niedergelassenen Ärzten und Krankenhäusern zu erproben, wo Ansätze der Telemedizin, der Tele­pflege und der Telerehabilitation Mehrwerte schaffen und eine substantielle Verbesserung der Gesundheitsversorgung und Vorsorge bringen könnten.

Vorgeschlagen wurde auch ein digitales Stadtquartier. Hier sollen zum Aufbau einer gelebten Nachbarschaft die vorhandenen gesellschaftlichen Treffpunkte in den Stadtteilen und Stadtquartieren um ein digitales Angebot ergänzt werden. Ziele eines digitalen Stadtquartiers sind eine verbesserte Vernetzung der Anwohner und das gezielte Entgegenwirken gegen Vereinsamung. In einer zunehmend digitalen Welt soll Bürgerschaft in allen Altersgruppen auch weiterhin die Möglichkeit haben, sich zu treffen und am gesellschaftlichen Leben der Stadt teilzuhaben.

Die Dienste eines digitalen Stadtquartiers sollen über eine mehr­kanalfähige Plattform erschlossen werden und lokale Inhalte wie Bildungsangebote, Veranstaltungen, Mittagstische und Mobilitätsdienste anbieten.

Auch für den Bereich der Kultur gingen zahlreiche interessante Vorschläge ein. So wird derzeit ein Kulturentwicklungsplan diskutiert. Dabei spielen auch digitalisierungsbedingte Veränderungen für kulturelle und museale Einrichtungen der Stadt Ulm eine Rolle. Die städtische Kulturinfrastruktur soll fit gemacht werden für die anstehenden technischen und organisatorischen Veränderungen, um mit den disruptiven Veränderungen durch die Digitalisierung der Gebäudetechnik, smarte Objekte, intelligenter Vernetzung, Cloud-Speicher und 3D-Drucker angemessen umgehen zu können.

Neben inhaltlichen Schwerpunkten sollen gemeinsam mit Beschäftigten und der Bürgerschaft auch Entwicklungspläne für die einzelnen Häuser und Museen erarbeitet werden, die den Rahmen für die konzeptionelle Weiterentwicklung legen. Der Gemeinderat wird über den Plan und auch jeden daraus folgenden Finanzierungsbeschluss einzeln beraten. Nun wird es darauf ankommen, die vielen Vorschläge an die Bedürfnisse der Stadt umzusetzen.

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