Milliarden für eCard ausgegeben – alles für die Katz‘?

AOK Bayern: So ist die Gesundheitskarte sinnlos

05.06.2011 | Redakteur: Gerald Viola

AOK-Bayern-Chef Helmut Platzer: Gesundheitskarte in ihrer derzeit geplanten Form sinnlos

Letzte Woche hat die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB) eine Informationsveranstaltung zur elektronischen Gesundheitskarte abgesagt. Heute wurde bekannt: Die Spitze der AOK Bayern hält die neue elektronische Gesundheitskarte in ihrer derzeit geplanten Form für sinnlos.

Von den zusätzlichen Funktionen, die die eCard eigentlich bieten sollte, sei so gut wie nichts übrig geblieben, kritisierte der Vorstandsvorsitzende der AOK Bayern, Dr. Helmut Platzer in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa. „Die Karte entspricht in keiner Weise dem, was man früher diskutiert hat“, wird der Chef der mit 4,2 Millionen Versicherten bundesweit viertgrößten Kasse zitiert.

Ende Mai hatten auch Ärzte gegen die elektronische Gesundheitskarte Front gemacht und gefordert, die Bundesärztekammer solle die weitere Entwicklung stoppen. Die eCard werde als angebliche Lösung für alle Probleme im Gesundheitswesen angeboten und verschlinge bis zu 14 Milliarden Euro für eine völlig veraltete Technik: „Seit sechs Jahren werden hier Milliarden investiert, ohne dass ein einziger Erfolg zu verzeichnen ist.“

„Dieses Projekt setzt nicht an den brennenden Punkten der medizinischen Versorgung an, als da sind: Industrialisierung der Medizin, Verschlechterung der Weiterbildung junger Ärzte, Auswanderung der jungen Generation wegen der schlechten Arbeitsbedingungen nach der Ausbildung“, kritisieren die Ärztinnen und Ärzte in einem offenen Brief. Das Geld für das „Gesundheitskarten“-Projekt würde im Übrigen dringend für eine gute Versorgung der Patientinnen und Patienten benötigt.

Und der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB), Wolfgang Krombholz, legte nach: Er könne keinen zusätzlichen Nutzen in der Karte erkennen. Für ihn stelle sich daher nur noch eine Frage, sagte – laut dpa – der KVB-Chef: „Warum macht man das überhaupt?“

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Ganz einfach: ca. 1/3 von 14 000 000 000,- € können damit direckt in das Steuersäckel wandern,...  lesen
posted am 10.06.2011 um 15:22 von Unregistriert


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