Leistungsverbünde als Hilfsmittel der Verwaltungstransformation

Alle für einen, einer für alle

| Autor / Redakteur: Dr. Helmut Drüke / Manfred Klein

Die Zusammenarbeit in Leistungsverbünden könnte eGovernment beschleunigen
Die Zusammenarbeit in Leistungsverbünden könnte eGovernment beschleunigen (Bild: © alphaspirit – Fotolia.com)

Kooperationen in Form von Leistungsverbünden sind eines der wirkungsvollsten Mittel der Verwaltungsmodernisierung. Sie sparen Ressourcen jeglicher Art und helfen Prozesse zu optimieren. Doch noch immer ist die Zurückhaltung groß. Das muss nicht sein.

Kooperationen auf gleicher Verwaltungsebene beziehungsweise zwischen Behörden verschiedener Verwaltungsebenen sind als eines der effektivsten und nachhaltigsten Instrumente der Transformation der Verwaltung zu betrachten. Mit solchen Kooperationen sind Kostenersparnisse, Qualitätsgewinne und eine Kompensation des demografischen Wandels zu erzielen. Dazu benötigt werden Prozessmodularisierung, Organisationskonzepte und Governance-Strukturen. Die Politik hat die Aufgabe, Leistungsverbünde in der Frühphase zu unterstützen.

Denn die Herausforderungen an die Öffentliche Verwaltung sind gravierend. Etwa ein Drittel der Fachkräfte in Verwaltungsstellen wird bis zum Jahre 2025 aus Altersgründen ausscheiden. Die Bereitschaft der Verbleibenden, ihre Arbeit mit zu erledigen, ist als gering einzuschätzen. Auch die Finanzminister sind nicht geneigt, für einen Eins-zu-Eins-Personal­ersatz zu sorgen. Also muss die ­Öffentliche Verwaltung effizienter arbeiten.

Des Weiteren steigen die Erwartungen der Bürger und Unternehmen an die Qualität öffentlicher Dienstleistungen. Öffentliche Dienstleistungen zu erhalten, soll so einfach sein wie eine Reisebestellung online vorzunehmen. Also muss die Öffentliche Verwaltung besser arbeiten.

Leistungsverbünde als Ausweg

Leistungsverbünde sind ein probates Mittel, um diese zentralen Ziele der Verwaltungsmodernisierung zu erreichen. Denn mit ihnen lässt sich eine verbesserte Versorgung der Bürger in Gemeinden und Landkreisen mit hochwertigen öffentlichen Dienstleistungen bei gleichzeitiger Kostenreduzierungen und Qualitätsverbesserungen realisieren.

Unter einem Leistungsverbund ist die Verbindung von Teilprozessen (Prozessmodulen) zu einem abgeschlossenen Leistungsprozess verschiedener Akteure zu verstehen. Verschiedene Akteure von verschiedenen Verwaltungsstellen und aus der Privatwirtschaft sind in Leistungsverbünden für die Erstellung von öffentlichen Dienstleistungen verknüpft. Leistungsverbünde sind also ein Produktionsmodell, während der Vertrieb von öffentlichen Dienstleistungen nicht zwangsläufig tangiert ist.

Die so definierten Leistungsverbünde unterscheiden sich damit von ihren Verwandten, den Zweckverbänden auf kommunaler Ebene oder den Shared Service Centern. Anders als in diesen Kooperationsformen werden nicht Aufgaben einer Institution übergeben, die dann für alle eine Dienstleistung erstellt. In Leistungsverbünden wirken Partner auf der ­Basis von Absprachen und vorhergehenden Modularisierungsaktivitäten zusammen.

Die Konstruktion von Leistungsverbünden

Die Bildung von Leistungsverbünden erfolgt in vier standardisierten Schritten. Zunächst wird eine Leistungskritik durchgeführt, bei der die Frage nach der Notwendigkeit und dem Nutzen staatlicher Dienste analysiert wird. Die Frage, ob ein Dienst von staatlicher Stelle angeboten wird, beantwortet sich vor allem durch dessen strategische Bedeutung für den Staatsauftrag. Das Ergebnis der Leistungskritik ist die Ermittlung des „optimierungswürdigen Leistungsbestandes“.

Der zweite Schritt besteht in der Prozessgestaltung. Prozesse werden standardisiert und modularisiert, denn nur solche Prozesse können dann in einem Verbund an Partner verteilt werden. Hier sind die wechselseitigen Abhängigkeiten und logischen Abfolgen zu berücksichtigen. Dieser Arbeitsschritt resultiert in einer Prozessübersicht, in einer Konfiguration von Modulen, Teilprozessen und einer neuen Prozessarchitektur. Charakteristisch ist die parallele und kollaborative Bearbeitung von Teilprozessen neben den nach wie vor sequenziell auszuführenden Abläufen.

Im dritten Schritt wird das geeignete institutionelle Arrangement ermittelt und vereinbart. Module sind auf beteiligte Verbundpartner zu verteilen. Kriterien sind hier die strategische Relevanz und die ­Spezifität der Aufgaben einerseits sowie die Kernkompetenzen der Partner andererseits. Es gilt: Strategisch relevante Module (Genehmigungen etc.) werden keinesfalls an Privatunternehmen vergeben. Der Staat behält in allem die Steuerungsgewalt.

Der vierte Schritt ist die Festlegung der Governance, also der Regeln zum Zusammenwirken im Leistungsverbund. Die geeigneten Steuerungsinstrumente (wie etwa Service Level Agreements) und passende Lenkungsmodi sind zu definieren. Nur darüber kann die Integration der Teilergebnisse von Teilaktivitäten aus Teilprozessen verschiedener Teilnehmer gewährleistet werden.

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