eGovernment Computing im Dialog

10 Jahre eGovernment: Erfolge, Fehler, Chancen

13.12.2011 | Redakteur: Manfred Klein

Der Redaktionsbeirat der eGovernment Computing begleitet seit nunmehr 10 Jahren die Entwicklung von eGovernment und der modernen, IT-gestützen Verwaltung in Deutschland.

Anlässlich des 10. Geburtstages der eGovernment Computing befasste sich der Redaktionsbeirat mit der Entwicklung von eGovernment im vergangenen Jahrzehnt: Was wurde erreicht? Welche Fehler wurden gemacht? Und was haben Öffentliche Verwaltung und Hersteller aus den Fehlern gelernt? Wo stehen wir jetzt und was ist in den nächsten zehn Jahren zu erledigen?

Fast alle Teilnehmer waren sich darin einig, dass es den Verwaltungen in Deutschland in der vergangenen Dekade gelungen ist, eine ganze Reihe wichtiger Fortschritte im eGovernment zu erzielen.

Holger Wosnitza von Materna beschrieb das so: „Wir haben eine ganze Menge erreicht. Die Verwaltung ist in vielen Bereichen besser aufgestellt als zu Beginn des Jahrzehnts. Sichtbar wird das an den zahlreichen Portalen, über die Verwaltungen mit den Bürgern kommunizieren. Zudem ist gerade aufseiten der jüngeren Bürger ein Verhaltenswandel zu beobachten. Die eMail ist hier zum Standardkommunikationsmittel geworden. Wir sind auch ein Stück weiter in Sachen Konsolidierung. Insbesondere die Kommunen haben erkannt, dass sie im Verband arbeiten müssen. Das Nachdenken darüber, ob man wirklich einen eigenen Mail-Server braucht, ist allgegenwärtig.“

Kritik äußerte Wosnitza an der Einführung des neuen Personalausweises. Industrie und Banken hätten hier sehr viel stärker eingebunden werden müssen. „Da wurde viel Potenzial verschenkt“, so Wosnitza. Und beim De-Mail-Projekt müsse man erst noch abwarten, wie es sich entwickeln werde.

Jon Abele von BearingPoint stimmte mit Holger Wosnitza darin überein, dass im vergangenen Jahrzehnt viel erreicht worden sei. Ging mit seiner Kritik aber noch sehr viel weiter, indem er diese in vier Punkten zusammenfasste:

  • Beim Thema Transaktion sind wir nicht wirklich vorangekommen, weil wir die Frage der Authentifizierung mit dem denkbar kompliziertesten System gelöst haben – mit der Pflicht zur elektronischen Signatur. Damit haben wir über Jahre hinweg Transaktionen und Interaktionen im eGovernment verhindert und verschlafen.
  • Auch bei der Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Behörden liegt noch viel Verbesserungspotenzial brach. Das Rad wird auf der Ebene der Länder immer noch bis zu 16 Mal neu erfunden. Und auf der Ebene der Kommunen und kommunalen Rechenzentren bestimmt mehrere hundert oder tausend Mal.
  • Sehr, sehr häufig haben die IT-Leute versucht, eGovernment zu treiben und dabei die Fachverantwortlichen vergessen. Die wirklich interessanten Verfahren sind aber nun mal die großen Fachverfahren. Hier müssen jedoch die Fachvertreter, Fachministerkonferenzen etc. eingebunden werden. Das Motto muss hier lauten: Nicht durch IT, sondern unterstützt durch die IT.
  • Vor zehn Jahren gab es kaum eine Industrie, die damals so aussah, wie sie heute aussieht. Das gilt für die Dienstleistungsbranche ebenso wie für das produzierende Gewerbe. Die Art und Weise, wie Unternehmen ihre Geschäfte betreiben, hat sich grundlegend verändert. Da muss man fragen, warum gilt das eigentlich nicht auch in gleicher Weise für die Geschäftsmodelle der Verwaltung?

eGovernment vor dem Wendepunkt?

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